Geschichte(n)

siehe auch: Ortssippenbuch Wethen
siehe auch: Geschichten

Wethen wurde erstmals um 850 im Güterregister des Klosters Corvey www.corvey.de erwähnt. Nach 980 gehörte Wethen als gesamter Ort zum Kloster Corvey und später zum Bistum Mainz. 1295 übernahmen die Grafen von Waldeck die Regierungsgewalt. Wethen wurde danach noch an die Spiegel von Desenberg verpfändet, war zeitweise im Besitz des Klosters Hardehausen, aber schließlich waldeckisch. Als Gründer des Dorfes und Stifter der Kirche gilt Ritter Udo von Wethen. Um 1230 soll die Gründung erfolgt sein. Seit 1970 ist Wethen Ortsteil von Diemelstadt www.diemelstadt.de im Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Zur Geschichte des Ortes sind uns bisher nur wenige Unterlagen bekannt. Das Ortssippenbuch aus dem Jahr 1959 enthält neben dem Hauptteil („Die Sippen“) mehrere Abschnitte zur Dorfgeschichte. Elektronisch erfasst wurden bisher: Vorwort, Allgemeines, Die Landschaft, Die Besiedlung, Wethen im Grenzkampf, Kirche und Pfarrer, Schule und Lehrer. Zur Geschichte der Wethener Kirche und ihrer Krypta haben wir einige Zeitungsartikel ausgewertet. Wir freuen uns sehr über Ergänzungen und weitere Dokumente. Sie können hier auszugsweise veröffentlicht werden. Insbesondere fehlen Darstellungen der Geschichte Wethens im 20. Jahrhundert. Lediglich über das Ende des 2. Weltkrieges und über die ersten Nachkriegsjahre enthält das Ortssippenbuch den folgenden Bericht:

Am 31. März 1945 gegen 8 Uhr morgens kam eine Gruppe von 15 SS-Männern von Warburg her nach Wethen. Sie wollte im Quast in Stellung gehen, um die Truppenbewegungen der Amerikaner zu beobachten; der Quast war jedoch schon besetzt. Als die SS anrückte, kam es zu einem kurzen Gefecht, bei dem mehrere deutsche Soldaten verwundet wurden. Sie zogen sich darauf nach Wethen zurück, um das Dorf zu verteidigen. Etwa eine Stunde später näherten sich die Amerikaner dem Ort mit Panzerfahrzeugen. Die ersten zwei Panzerspähwagen, die in das Dorf einfuhren, wurden von den deutschen Soldaten außer Gefecht gesetzt. Dabei fielen zwei amerikanische Soldaten. Die feindlichen Fahrzeuge zogen sich zurück und eröffneten aus etwa l km Entfernung das Feuer. Ungefähr um 10 Uhr gaben die SS-Leute die Verteidigung des Dorfes auf und zogen sich zurück in Richtung Germete. Während der Beschießung wollte sich Klara Diederich aus ihrem auf der Westseite des Dorfes liegenden Hause in Sicherheit bringen und wurde tödlich getroffen, als sie über die Straße lief; außer ihr fiel noch ein deutscher Soldat.

Zehn Häuser wurden vollkommen zerstört und sechs stark beschädigt. Im ganzen kamen etwa 5 Pferde, 15 Kühe und 12 Schafe um. Erst gegen 12 Uhr mittags hörte die Beschießung auf. Die Amerikaner besetzten den Ort, während sie ihre Geschütze rundherum in Stellung brachten. Mehrere Häuser wurden beschlagnahmt und mußten von den Einwohnern geräumt werden. Am nächsten Tage rückten die Amerikaner in Richtung Ossendorf und Germete ab, dabei nahmen sie auch die SS-Leute im Engelsbusch gefangen. Acht Tage später durchsuchten die Amerikaner nochmals den Ort nach deutschen Soldaten, fanden aber niemand. Zur Zeit des Einmarschs waren etwa 30 Russen und Polen als Zwangsarbeiter im Dorf tätig.

Der Aufbau der zerstörten Gebäude sofort nach Kriegsende bereitete zunächst große Schwierigkeiten. Das wirtschaftliche Leben lag infolge der Besatzung darnieder, es hob sich erst nach der Währungsreform am 20.Juni 1948. Dann wurde auch die in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts gelegte Wasserleitung durch eine neue Quellfassung erneuert. Früher hatte das Dorf 24 Winde-Brunnen, davon drei im Besitz der Gemeinde. Franz Krause, ein Flüchtling aus dem Sudetenland, kam Ende 1945 mit einem Wethener Kameraden aus der Kriegsgefangenschaft. In Verbindung mit einigen Männern aus Wethen baute er den Steinbruch der Gemeinde neben der Teichmühle zu einem leistungsfähigen Betrieb aus, der wertvollen Baustein, Straßenschotter und Splitt in den Kreis wie in das benachbarte Westfalen und Hessen liefert und etwa 30 Arbeitern Brot gibt. So wurde ein Teil der arbeitslosen Einheimischen, aber auch der während des Krieges untergebrachten Evakuierten und der später aus dem Osten kommenden Vertriebenen und Flüchtlinge aufgefangen. Andere fanden in benachbarten Orten Verdienstmöglichkeiten; dabei wurden sie durch die Busverbindung nach Warburg und die beginnende Motorisierung -eigenen Besitz von Motorrad oder Kraftwagen- unterstützt. Frauen fanden in dem von Krause neu gegründeten Betrieb zur Herstellung und Fertigung von Frottierwäsche und Bademänteln Unterkommen. Durch die Busverbindungen wurden auch Wege zur besseren Ausbildung der Schüler und Lehrlinge geschaffen. Die zur Landwirtschaftsschule -damals noch „Winterschule“ genannt – nach Mengeringhausen gehenden Bauernsöhne mußten vor dem 1. Weltkrieg dort wohnen, dadurch wurde die Ausbildung verteuert. Jetzt fahren sie zur Berufsschule, Mittelschule und.zum Gymnasium nach Arolsen von Rhoden aus mit dem Bus oder mit eigenem Fahrzeug dorthin. Einige Jahre nach dem 1. Weltkrieg wurde die früher von Rhoden aus bestehende Landpost-Zustellung in eine solche mit Kraftwagen von Warburg aus umgewandelt. Die modernen Verkehrswege lösen sich von den landeseigenen Verwaltungen. Seit drei Jahrzehnten wird an der Planung der Autobahn-Führung Kassel-Hamm gearbeitet. Ob die Straße die Wether Gemarkung berührt oder durchquert, wie mehrfach erwogen ist, bleibt abzuwarten.

So hat die einstige Bauerngemeinde Wethen durch die Nachwirkungen des 1.und 2.Weltkrieges und die wirtschaftliche Entwicklung der Neuzeit ein verändertes Gesicht bekommen. Die Landwirtschaft bildet noch und voraussichtlich für längere Zeit die Grundlage für die Mehrzahl der Beschäftigten. Der Wandel zum Familienbetrieb brachte jedoch keine rückläufige Entwicklung. Es entstand keine Landflucht. Die Menschen blieben auf dem Lande, wandten sich nur anderen Berufen zu, um darin besseren Verdienst zu haben und damit den Lebensunterhalt und -stand zu steigern. Es ist kennzeichnend für die Verbundenheit der Einwohner mit ihrer Scholle, daß auch die meisten nicht in der Landwirtschaft Beschäftigten etwas Land und Garten bearbeiten wollen. Ihnen kam die Gemeinde -soweit sie nicht auf andere Weise Boden kaufen oder pachten konnten- entgegen dadurch, daß sie am Asseler Wege Land für Schrebergärten zur Verfügung stellte. Wer heute durch den Ort geht und die vielen Neu- und Umbauten sieht, freut sich über die Entfaltung der Gemeinde.

Er wird das Urteil des Katasterbeamten von 1858 bestätigen: „Man kann Wethen wohl mit Recht einen wohlhabenden Ort nennen.“